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Landesbildungsminister besucht nach drei Jahren erneut Nienburger Grundschule

12.10.2020

Tullner lobt im Arbeitsgespräch die Entwicklung der Bildungseinrichtung und stellt sich den Fragen der Schulleiterin

Fast genau auf den Tag drei Jahre später kommt Bildungsminister Tullner wieder nach Nienburg (Saale), um sich ein Bild von der aktuellen Situation an der Grundschule zu machen.

Die ersten, denen er dort begegnet, sind drei Viertklässler: Lilli, Dante und nochmal Lilly. Sie begrüßen den Minister, bitten ihn, sich ins Goldene Buch der Schule einzutragen und überreichen ihm kleine Geschenke, u. a. einen aus Papier gebastelten Marienkäfer. Den wird Tullner für die Zeit seines Besuches um den Hals tragen. Und er verspricht auch, ihn in seinem Büro aufzuhängen.

 

Dann trifft Minister Tullner auf Ronny Holzhauer, Lehrerin mit Leib und Seele und Schulleiterin, nunmehr im dritten Schuljahr an der Einrichtung. Beide sind sich schon begegnet, allerdings am vorherigen Wirkungsort der engagierten und vor Energie sprühenden Pädagogin. Den verließ sie, weil sie sich oftmals allein gelassen fühlte und weil sich die Chance bot, bessere Voraussetzungen für ihre Arbeit zu finden – an der Nienburger Grundschule. Und hier kommt Nienburgs Bürgermeisterin Susan Falke ins Spiel, die in Funktion des Schulträgers am Gespräch mit dem Bildungsminister teilnimmt. Beiden Frauen ist anzumerken, dass sie gern miteinander arbeiten und genauso gern gemeinsam Erfolg haben.

 

Freilich ist es nicht immer einfach, so Ronny Holzhauer. Sie berichtet, wie drei Monate lang wegen fehlenden Personals zwei Klassen zugleich in der Aula der Schule unterrichtet wurden. Kurz davor, mit der Schließung der Schule die Notbremse ziehen zu müssen, kam Rettung vom Land. Heute sind es 123% Unterrichtsversorgung. Eine Zahl, von der andere Schulen träumen, die aber auch nur auf dem Papier steht. Die Praxis zeigt, dass eigene Ausfälle kompensiert werden müssen und wenn es an anderen Standorten klemmt, sofort bei den Gutausgestatteten abgezogen wird. Aber die Schulleiterin klagt nicht. Im Gegenteil, sie ist, sagt sie, hier auf beste Bedingungen gestoßen. Breitbandversorgung, Whiteboards in den Klassenräumen und ein dazu gehöriges Medienkonzept.

 

Sie ist inzwischen angekommen, so Ronny Holzhauer. Sie hat die Eltern im Boot, definitiv ist man dabei, ein Team zu werden. Wenn sich alle verantwortlich fühlen, macht die Arbeit Spaß. Kein Schubladendenken. Mit dem ihr so eigenen Leuchten in den Augen erzählt sie von Fallbesprechungen im Kollegium, ohne Wertung, aber mit Tipps für gemeinsames Herangehen.

 

Stolz ist die Schulleiterin auf Entstandenes, Bewährtes führt sie fort. So die Arbeitsgemeinschaft „Junge Sanitäter“, die sich großer Beliebtheit erfreut. Ziemlich neu dagegen ist eine Vereinbarung zwischen der Grundschule, dem Stadtseniorenrat und der Stadt. Unter der Anleitung von Seniorinnen erlernen die Schülerinnen und Schüler Handarbeiten, werkeln mit Holz, kochen und backen gemeinsam. Und ganz wichtig, beide Seiten profitieren voneinander. Die Kinder nutzen die Erfahrungen der Älteren, die wiederrum lernen auch von den Kindern. Das klappt auch, wenn ein ehemaliger Lehrer Heimatgeschichte nahebringt. Aktuell sei man dabei, einen Schulförderverein zu gründen. Nicht, weil es an Unterstützung z. B. von der Stadt fehle, sondern weil sich noch mehr vernetzen will. In der Kommunalpolitik ehrenamtlich tätige Mandatsträger, Gewerbetreibende, Vereinsmitglieder sollen mit ins Boot geholt werden. Um auf die Kreativität vieler Köpfe setzen zu können, wenn es um die Akquise von Fördermitteln und die Umsetzung schulischer Projekten geht.

 

Minister Tullner freut sich über die positive Entwicklung, auch darüber, dass die Bürgermeisterin so vehement hinter der Schule steht. Das sei nicht überall so. Er zollt der Schulleiterin Respekt. Insbesondere als es um den Plan B geht, d. h., darum, was zu tun ist, wenn Corona erneut dazu zwingt, Schüler im Homeschooling zu unterrichten. Ronny Holzhauer berichtet von der Homepage der Schule, die schon in der Schublade lag und als Corona kam, zum rechten Zeitpunkt hochgeladen werden konnte. Von den Kolleginnen hat sie damals eine Rückmeldung eingefordert, abgefragt, ob Kontakt zu jedem einzelnen Schüler besteht. Für alle Haushalte wurde ermittelt, welche Technik zur Verfügung steht. Kommt es erneut zur Schulschließung wird es Wochen- und Reflektionspläne geben. Auch Tests, um Leistungen abzurufen. Und feste, verlässliche Telefonzeiten, damit die Lehrerinnen und die Schulleiterin für die Eltern ansprechbar bleiben.

 

Als im weiteren Verlauf des Gesprächs von der Schulleiterin noch einige kritische Punkte angesprochen werden, fliegt der Stift von Tullners Mitarbeiter über das Papier. Ronny Holzhauer hofft, dass die angesprochenen Schwierigkeiten nicht nur „mitgenommen werden“, sondern sich dafür eine Lösung findet.

 

Gemeinsam mit den drei Viertklässlern begibt sich Tullner anschließend auf einen Rundgang durch die Schule. Er wendet sich an die unterrichtenden Kolleginnen, spricht mit den Kindern und probiert sich sogar im Gestaltenunterricht an einer Bastelarbeit. Auf halber Treppe bestehen die Schüler darauf, dass Tullner einen Blick in den Sanitätsraum wirft. In dem Augenblick stürmen ein paar Jungen die Treppe herunter. Neugierig schaut einer, wer da wohl zu Besuch sei, scheint aber bestens informiert zu sein. „Hi Marco“, ruf er keck in den Raum hinein und verschwindet mit seinen Freunden in Richtung Schulhof.

 

Am Ende des Besuches wollen Tullner und sein Begleiter noch einen Blick in die im Jahr 2015 eingeweihte Zweifeld-Sporthalle werfen. Doch der bleibt verwehrt, die Tür geschlossen. Die sonst sehr stark frequentierte Halle wird ausgerechnet am heutigen Vormittag nicht genutzt, der Hallenwart ist nicht vor Ort. Zeitlich etwas in die Bredouille geraten, zieht es die beiden Herren zurück in die Landeshauptstadt. Tullner nimmt die geplatzte Stippvisite als Anlass, will wiederzukommen. Ob ihm entfallen ist, dass er die Sporthalle 2017 schon einmal von innen in Augenschein nehmen konnte? Egal, in Nienburg (Saale) freut man sich über das Versprechen des Ministers. Neben der Schulleiterin und der Bürgermeisterin scheint auch er zufrieden mit dem Ausgang der geführten Gespräche zu sein.

 

Foto: Minister Marco Tullner, Bürgermeisterin Susan Falke und Schulleiterin Ronny Holzhauer mit Lilly Plagens und Dante Jungmann (jeweils von links)